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Digi­talisierte Ge­schäfts­berichte werden ver­pflichtend

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Digi­talisierte Ge­schäfts­berichte werden ver­pflichtend

Dr. Götz Schlegtendal, Managing Partner München, 30. September 2020

Während viele Investor Relations- und Controlling-Abteilungen noch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigt sind, kommt mit dem Jahreswechsel nun tatsächlich die Verpflichtung zur Veröffentlichung der Geschäftsberichte auch im ESEF-Format („European Single Electronic Format“). Dies ist die EU-weit einheitliche Anforderung an die Form, in der Jahresfinanzberichte von an EU-Börsen notierten Unternehmen erstellt werden müssen. Die entsprechende für börsennotierte (und nach IFRS bilanzierenden) Unternehmen verpflichtende Technologie ist XBRL („Extensible Business Reporting Language“) – ein international akzeptierter Standard für den Austausch, die Interpretation und Darstellung finanzieller und nicht finanzieller Unternehmensinformationen. Die ESEF-Taxonomie entspricht dabei weitestgehend der IFRS-Taxonomie.

Das XBRL-Format soll in einem ersten Schritt zu einem einheitlichen elektronischen Berichtsformat und später zu einer vorgegebenen Strukturierung von Geschäftsberichten und Jahresabschlüssen führen und dadurch unter anderem IT-Systemen das automatisierte Auslesen der Informationen ermöglichen. Dieses geschieht durch das sogenannte Tagging, bei dem die einzelnen Positionen des Jahresabschlusses (und später des Anhangs) mit standardisierten Labels = Tags hinterlegt werden. Für in Deutschland börsennotierte Konzerne gilt daher künftig, dass sie ihre Geschäftsberichte verpflichtend in XBRL an den Bundesanzeiger übermitteln müssen.

Mehr Aufwand aber auch Vorzüge

Das ESEF-basierte Reporting bedeutet zwar einen erheblichen Aufwand für die Unternehmen, es bietet aber auch einige Vorteile. Der Wesentlichste ist die Möglichkeit zum unmittelbaren Einlesen und automatischem Zuordnen der Tags. Ein großer Mehrwert der einheitlichen Regelung ist zudem die geringere Fehlerquote bei den gemeldeten Daten sowie die Möglichkeit, die Finanzdaten anderer börsennotierter Unternehmen für unternehmensinterne Zwecke zu analysieren. So enthält das XBRL-Format Validierungsfunktionen, die kontinuierlich auf Fehler bzw. Anmerkungen hinweisen. Für Investoren bedeutet das ESEF-Reporting, dass sie dadurch einen Zugriff auf strukturierte Daten erhalten, der ihnen zur schnelleren Verarbeitung wichtiger Finanzkennzahlen verhilft. Und auch die Finanzaufsichtsbehörden profitieren von dem einheitlichen Format. Insgesamt werden Finanzinformationen schneller und einfacher verfügbar und der Kapitalmarkt effizienter.

Wie bekommen Unternehmen das Tagging hin?

In der ersten Stufe der ESEF-Einführung müssen Konzerne nur die relevanten Abschlusstabellen wie GuV, Bilanz, Kapitalfluss und Eigenkapitalveränderungsrechnung entsprechend der neuen Anforderungen berichten. Weiterhin müssen zehn „Blöcke“ aus dem Anhang getagged werden, später dann der gesamte Anhang. Für Unternehmen ist das Tagging eine Herausforderung – verschiedene Faktoren müssen abgewägt werden:

  • Soll das Tagging inhouse, also intern im Unternehmen oder extern erfolgen? Externes Tagging ist meist mit entsprechenden Angeboten von Dienstleistern verbunden, intern können manuelle Lösungen als auch entsprechende Technologien eingesetzt werden.
  • Zudem stellt sich die Frage nach dem Automatisierungsgrad. Sowohl internes als auch externes Tagging lässt sich manuell oder automatisiert durchführen.
  • Und zuletzt die Frage nach der Integration: Einige CMS-Systeme bieten teilweise Software-Erweiterungen an, die ein Tagging ermöglichen. Andere Dienstleister stellen reine Tagginginstrumente zur Verfügung, die die Unternehmen entweder bei sich implementieren oder aber gegen Bezahlung nutzen können (Übermittlung der Daten und Tagging beim Dienstleister).

Online-Berichte durch die Hintertür

Das für den elektronischen Bericht zu verwendende Format ist „inline eXtensible Business Reporting Language“ (iXBRL), eine Weiterentwicklung von XBRL. Dabei wird XBRL in ein HTML-Dokument integriert. Diese Kombination führt dazu, dass ein XBRL-Bericht mit jedem Standard-Browser geöffnet werden kann. Das Ergebnis ist jedoch ein sehr simpler Online- bzw. HTML-Geschäftsbericht. Von den aufwendigen Online-Berichten ist das jedoch weit entfernt. Für die Unternehmen bleibt als Aufgabe, dass sie den Geschäftsbericht künftig auch im iHTML-Format zur Verfügung stellen müssen, in dem die Tags eingebunden sind.

PDF-Version bleibt von Bedeutung!

An vielen Stellen wird der Eindruck erweckt, dass mit dem ESEF-Standard klassische Geschäftsberichtsformate wie PDF- oder Druckversionen künftig Makulatur sind. Dies ist keineswegs der Fall, da sich die Zielgruppen und Zielsetzungen der Formate grundsätzlich unterscheiden. Das bloße Taggen von Positionen des Jahresabschlusses erleichtert bei einer digitalen Nutzung von Kennzahlen die Lesbarkeit. Es handelt sich aber um die reine Aufbereitung von Zahlen. Die Erläuterung von Entwicklungen und Veränderungen bleibt dabei auf der Strecke. Mit dem iHTML-Bericht hat der Leser zwar Zugriff auf alle Texte und Informationen, jedoch gelten im einfachen Dokument, dass die Leserführung und Navigation ebenso eingeschränkt sind wie die Möglichkeiten zum Druck ausgewählter Seiten oder die Arbeit mit Notizen. Diese Funktionen erfordern unverändert die PDF- sowie Printausgabe des Geschäftsberichts.

Und nun?

Die Überlegung, dass Kennzahlen durch entsprechende Codierung sofort erkannt werden sollen, ist nachvollziehbar. Das Tagging erleichtert die Verarbeitung in der digitalen Welt. Auch die Einlesbarkeit in Excel-Tabellen wird sich sukzessive verbessern und die Arbeit beschleunigen.

Die PDF-Form als am schnellsten vorliegende ausführliche Version des Geschäftsberichts wird durch ESEF sicherlich nicht abgelöst und ist keinesfalls für den Anwender überflüssig geworden. Dafür enthält sie viel zu viele Informationen und ist leserfreundlich, offline nutzbar, problemlos in Teilen ausdruckbar und lässt sich einfach kommentieren. Der neue iHTML-Bericht ist insofern ein zusätzliches Ausgabeformat, aber in der eigentlichen Fassung wenig nutzerfreundlich. Ob sich eine aufwendigere Aufbereitung lohnt, muss jedes Unternehmen für sich entscheiden.

Für Konzerne gilt, dass sie sich schnell für einen Weg entscheiden müssen, der aber nicht unbedingt die dauerhafte Lösung sein muss. Es kann sich lohnen, die Entwicklung zu beobachten und erst in einigen Jahren eine feste und langfristige Lösung zu implementieren. Wichtig ist aber, dass die Erstellung des zusätzlichen Ausgabeformats des nächsten Geschäftsberichts im Prozess und Zeitplan berücksichtigt wird.

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