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COP26 – Wird in Glasgow Klima­geschichte ge­schrieben oder heiße Luft ausge­stoßen?

Public Affairs
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COP26 – Wird in Glasgow Klima­geschichte ge­schrieben oder heiße Luft ausge­stoßen?

Bernd Buschhausen & Dr. Götz Schlegtendal, Berlin / München, 29. Oktober 2021

In wenigen Tagen findet im britischen Glasgow der Weltklimagipfel statt. Ein Jahr später als gedacht, da die globale Pandemie eine Konferenz im vergangenen Jahr verhinderte. Unter dem Namen COP26 (United Nations Framework Convention on Climate Change, 26th Conference of the Parties) treffen sich vom 1.-12. November die Regierungschefs von fast 200 Staaten und diskutieren konkrete Maßnahmen, um das Erreichen des 2015 in Paris vereinbarten Klimaziels zu gewährleisten. Damals beschlossen die Teilnehmer das sogenannte 1,5-Grad-Ziel, demzufolge der menschengemachte globale Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Nahezu alle Staaten der Erde haben das Abkommen der 21. UN-Klimakonferenz 2015 (COP 21) unterzeichnet und sich zu entsprechenden Anstrengungen verpflichtet.

Auch Deutschland wird in Glasgow mit am Verhandlungstisch sitzen, aber mit Vertretern einer Regierung, die nur noch auf Abruf im Amt ist. Vermutlich werden die Bundeskanzlerin und die Bundesumweltministerin an den Verhandlungen teilnehmen. Gerade das Land, das seine Kanzlerin als Klimakanzlerin feierte, muss in diesen Tagen melden, dass der Anstieg der Treibhausgasemissionen auf ein neues Rekordhoch gestiegen ist – trotz Wirtschaftsflaute in Folge der COVID-Pandemie. Da diese Entwicklung bei den meisten Staaten zu beobachten ist, Corona brachte nur einen temporären Rückgang, ist es kein Wunder, dass der jüngste UN-Klimabericht zu einem traurigen Zwischenergebnis kommt: Die Menschheit sei derzeit auf dem katastrophalen Weg in Richtung einer Erwärmung von 2,7 Grad Celsius.

Für die neue Regierung wird in Glasgow noch kein Platz sein – obwohl bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP das Thema Klimaschutz ganz weit vorne rangiert. So wird von den Verhandlungspartnern unter anderem ein früherer Ausstieg aus der Kohleverstromung als das Jahr 2038 diskutiert. Im Gegenzug sollen Genehmigungsverfahren für regenerative Energien beschleunigt werden.

Dennoch wird Deutschland bei dieser Konferenz erneut eine Vorreiterrolle zugesprochen, die dann idealerweise auch auf andere Länder übergreift. Durch die nahezu gleichzeitige Abschaltung aller Atom- und Kohlekraftwerke hat die Bundesrepublik einen Weg eingeschlagen, der komplett auf regenerative Energien setzt, bisher aber nur teilweise den Energiebedarf des Landes decken kann. Die kommende Regierung will den klimagerechten Umbau der Gesellschaft und der Wirtschaft energisch vorantreiben.

Deutschland tritt jedoch nicht nur allein als Staat auf, sondern auch als Teil der Europäischen Union. Und auch dort sind noch lange keine einheitlichen Positionen erkennbar. So sind mehrere osteuropäische Länder starke Befürworter einer weiteren Nutzung von Kohlestrom, während andere Staaten explizit auf die CO₂-arme Energie von Nuklearstrom setzen, damit der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen möglich bleibt.

Fazit

Für Deutschland und das Weltklima kommt die Konferenz zu einem eher unglücklichen Zeitpunkt. Während die amtierende Regierung eigentlich keine großen Versprechungen mehr machen darf, ist die künftige Regierung noch nicht im Amt. Das Ziel der 1,5 Grad bleibt aber bestehen. Mit einer neuen wahrscheinlichen Ampelregierung werden die Erwartungen an eine nachhaltig wirksame Klimapolitik steigen. Daraus werden sich wohl auch höhere Ansprüche an Unternehmen im deutschen Markt ergeben. In einer Zeit, in der Maßnahmen zum Klimaschutz sowohl reputationstreibend als auch geschäftsfördernd sind, wird die Wirtschaft einen wesentlichen Beitrag liefern müssen, um mit der Politik am Verhandlungs- und Gestaltungstisch als Partner zu agieren. Aber auch der einzelne Bürger wird voraussichtlich über Regulierung und CO₂-Bepreisung zu einem klimafreundlicheren Handeln gezwungen.

Wünschenswert wären daher konkrete Taten und Handlungen, mit realistischen Zielen und Maßnahmen, statt wohlstandsfeindlicher Utopien oder einer Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Dafür kommt es weniger darauf an, dass ein Land vorausgeht, sondern vielmehr, dass viele Länder gemeinsam in die richtige Richtung laufen.

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